Sendung vom 7. Dezember 1998

Kakteen-Küche


Von Wolfram Schiebener
Kakteen als Gemüse, Salat oder Suppeneinlage? Viele werden das für einen Scherz halten, denn in Europa sind Kakteen als essbare Nutzpflanzen weitgehend unbekannt. Eine Ausnahme bilden die Kanarischen Inseln. Die Menschen hier züchten nicht nur die Cochenille, eine Schildlaus und Lieferant des roten Naturfarbstoffes "Karmin", auf den Feigenkakteen (Opuntien), sie wissen auch die süßsauren Früchte, die Kaktusfeigen, als Lebensmittel zu schätzen. Dass diese sehr schmackhaft sind, hat der eine oder andere vielleicht schon im Urlaub getestet, dass jedoch auch ein ganzer Kaktus mit dolchspitzen Stacheln als Hauptgericht serviert werden kann, klingt allerdings für viele exotisch. In Mexiko z.B. hat jedoch das Zubereiten der jungen Triebe der Opuntien (Feigenkakteen) eine lange Tradition. Hier wurde auch die besondere gesundheitliche Wirkung dieser Kakteenart entdeckt: Opuntienesser erkranken offenbar seltener an Diabetes. Die stacheligen, schnell wachsenden Pflanzen gedeihen selbst bei großer Hitze wie Unkraut, daher werden sie in den trockenen Gebieten Lateinamerikas als ein wichtiger Bestandteil des täglichen Speiseplans geschätzt. Um den Nachschub muss man sich dort keine Sorgen machen. Warum nicht auch hierzulande diese stachelige Köstlichkeit genießen? Der experimentierfreudige Gärtner Ulrich Haage, ein erfahrener Kakteenzüchter und Mexiko-Fan aus Erfurt, hat zusammen mit dem Botaniker Dr. Werner Hoffmann und mit dem Koch und Restaurantbesitzer Ulrich Manck ausgefallene Rezepte rund um die stacheligen Pflanzen entwickelt. Bei der Zubereitung der jungen Opuntientriebe ist eigentlich nur das Entfernen der äußerst unangenehmen Stacheln etwas kompliziert. Am besten man benutzt hierfür einen Drahtschwamm. Danach wird das Kakteen-Ohr - in Mexiko sagt man "Nopalito" - geschält und in Streifen geschnitten. Kurz in kochender Brühe gegart, eignen sich die grünen Kaktusstreifen als vielseitige Zutat, z.B. für Salate, Gemüsegerichte oder Suppen. Im täglichen Restaurantbetrieb erspart sich der Kakteenkoch die oft schmerzhafte Vorarbeit. Er verwendet hier Konserven aus Mexiko, die auch für den Laien leicht zu verarbeiten sind.

Rezepte

PIKANTE NOPALITO-KARTOFFELCREMESUPPE

Zutaten

10 Nopalitos (ca. 1 kg)
5Kartoffeln
1/2 l Gemüsebrühe
2 Knoblauchzehen
50 g Butter
2 Zwiebeln
1/4 l Sahne
2 Chilis
75 g Käse (zum Garnieren)

Zubereitung

Nopalitos in Stücke schneiden Zwiebeln und Knoblauch pellen und klein hacken Chilis in Ringe schneiden Käse reiben Kartoffeln und Nopalitos kochen gegarte Kartoffeln mit drei Nopalitos pürieren und mit der Brühe verrühren Zwiebeln und Knoblauch in Butter glasig dünsten, die Suppe hinzugeben und drei bis fünf Minuten köcheln lassen, dabei die Sahne langsam einrühren die restlichen Nopalito-Stückchen und Chiliringe zufügen mit Käse bestreuen.

NOPALITOS CON CARNE

Zutaten

1 Nopalitos (ca. 1 kg)
250 g Hackfleisch (Rind)
3 EL Öl
3 kleine Kartoffeln, gewürfelt
1 Zwiebel
2 Tomaten
1 Knoblauchzehe
2 EL gehackte Mandeln
2 EL Rosinen
1/2 TL Zimt
2 EL Zitronat

Zubereitung

Nopalitos, Tomaten und Zitronat in Stücke schneiden Zwiebeln und Knoblauch pellen und fein zerhacken Nopalitos und Kartoffelwürfel in Salzwasser kochen Hackfleisch in einem geschlossenen Topf anbraten, damit nicht zu viel Flüssigkeit verdampft Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Rosinen und Mandeln dazugeben bei kleiner Flamme köcheln lassen, bis das Fleisch gar ist, hin und wieder umrühren Nopalitos, Kartoffeln hinzugeben, mit Zimt würzen und gut durchziehen lassen mit Zitronat anrichten.

Alle Angaben ohne Gewähr

© 1998 WDR Köln
08.12.98 12:48





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